Im Interview mit Debitoor erzählt sie, wie sie mit dem Bloggen Geld verdient und wie es ist, die Reiseleidenschaft zum Beruf zu machen. Dass das funktionieren kann, beweist sie. Ihr Rezept: Ein Team, dass sich gut ergänzt, eine solide Strategie, und nie den Überblick über die Finanzen verlieren.
Außerdem hat sie als Expertin natürlich die besten Reisetipps für 2017 auf Lager.
Wo bist du gerade?
Im Moment bin ich in Berlin, aber in zwei Tagen geht es wieder los nach Agadir.
Was hast du dort vor?
Ich werde mir vor allem die Stadt ansehen, den Fischerhafen, die Strandpromenade, den Souk El Had, das ist der größte Markt der Stadt, die Medina Polizzi und dort den speziellen Handwerkersouk. Außerdem mache ich einen Ausflug ins „Paradise Valley“. Das ist ein Tal nordöstlich von Agadir.
Welche Geschichte bringst du von dem Trip für den Blog mit?
Gute Frage, dass weiß ich eigentlich erst hinterher. Am besten ist es immer, wenn ich Leute treffen kann, ins Gespräch komme. Ein Auge werfe ich immer auf die Hotels vor Ort. Und vielleicht kann ich dir Agadir nach meiner Reise als coole Stadt am Meer empfehlen und dir sagen, wo du am besten übernachten und an welchem Spot du den Sonnenuntergang mit einem Glas The à la Menthe am schönsten genießen kannst.

Deine Top 5 Reiseempfehlungen für 2017?
Norwegen, wenn du ein Outdoor Fan bist. Für den Einstieg ist Stavanger super, eine kleine nette Hafenstadt und von dort aus machst du einen Tagesausflug auf den Preikestolen. Ich verspreche dir, das wirst du nie vergessen!
Ägypten ist im Moment günstig und du stehst jetzt fast alleine vor den Pyramiden.
Kappadokien in der Türkei möchte ich dir auch an Herz legen, das ist die abgefahrenste Gegend, in der ich bisher war. Du solltest dort unbedingt mit einem Ballon fliegen! Formentera in der Nebensaison ist ein Traum. Das spart dir die Karibikreise.
Und Zypern, Paphos ist 2017 Kulturhauptstadt und es gibt ein paar hübsche Hotels auf der Insel.
Was war dein schlimmstes Reiseerlebnis?
Das hatte ich zum Glück noch nicht. Toi, toi, toi.

Wie ist das Team von Looping zusammen gekommen? Woher kennt ihr euch?
Ich habe 2013 den Blog alleine gestartet und nach einem Jahr wurden die Reiseangebote so zahlreich, dass ich Autoren gesucht habe, die für mich die ein oder andere Reise übernehmen.
Allerdings reicht es für einen Blogger nicht, nur gute Geschichten zu schreiben, du solltest auch Fotografieren können und dich in Social Media auskennen.
Und da fiel mir als Erstes Sabine ein. Wir kennen uns noch aus Hamburger Zeiten, als wir beide in Werbeagenturen gearbeitet haben. Ich habe Sabine angesprochen und sie war sofort Feuer und Flamme. Sabine schreibt nicht nur grandiose Texte, sondern macht auch wunderschöne Fotos und ist fit auf Facebook und Instagram. Sie ist seit 2015 dabei und wir ergänzen uns ganz gut.
Ansonsten gibts noch eine Handvoll freie Autoren. Ich bin aber immer auf der Suche nach guten Leuten!
Und wen ich auf gar keinen Fall vergessen darf, das sind Kerstin und Natascha. Kerstin ist im Oktober zum Team dazugestoßen und verantwortlich für den Vertrieb. Seit sie dabei ist, brummt der Blog. Und Natascha ist mein IT Profi der ersten Stunde. Wenn irgendetwas auf dem Blog nicht funktioniert, ist sie die Feuerwehr, die mich rettet. Das ist das Kernteam. Vier großartige Frauen!
Habt ihr außer dem Blog jeweils noch weitere Projekte, oder könnt ihr davon leben? Wie finanziert ihr euch?
Im Moment bin ich noch die Einzige die Vollzeit für den Blog arbeitet und dank Kerstin kann ich mittlerweile auch davon leben. Ich schreibe hauptsächlich Advertorials und wir haben verschiedene Social Media Pakete entwickelt, mit denen wir die Hotels bei ihrer online Kommunikation unterstützen wollen.
Für Kerstin ist es ein Halbtagsjob. Sie hat noch andere Projekte am Laufen, unser Ziel ist es aber, dass sie mehr für LOOPING arbeitet und wir neben den Hotels langfristig auch Marken aus dem Lifestyle- und Touristik-Bereich mit unseren Angeboten ansprechen wollen.
Sabine verdient ihr Geld weiterhin noch in der Werbeagentur und ich sage bewusst noch!

Wie ist es, etwas was für viele nur Freizeitvergnügen ist, zu einem Job zu machen?
Es ist toll. Ich bin in meinem Leben noch nie so intensiv gereist. Egal wohin ich komme, die Menschen vor Ort wollen mir ihr Land zeigen, die schönsten Orte, das beste Essen und die spannendsten Aktivitäten. Das fängt morgens um 6 Uhr mit dem Sonnenaufgang an und endet um Mitternacht an der Hotelbar.
Das Einzige, worauf ich aufpassen muss, wenn ich selber Urlaub mache, ist tatsächlich das Handy mal stecken zu lassen, die Kamera nicht zu zücken und nicht an den nächsten Post auf Facebook oder Instagram zu denken. Da fehlt mir manchmal die Disziplin.
Habt ihr vorher schon mal selbstständig gearbeitet?
Ich habe vorher seit über 15 jähren als frei Kreative gearbeitet.
Sabine, Kerstin und Natascha sind auch schon seit Längerem selbstständig.

Welche speziellen Herausforderungen gibt es bei Rechnungsstellung, Buchhaltung und Finanzsachen bei einem Blog? Wie regelt ihr das?
Die komplette Buchhaltung läuft über mich, und Debitoor hilft mir enorm, die Rechnungsreihenfolge und die Fälligkeiten im Blick zu behalten.
Außerdem ist das Versenden der Rechnungen über Debitoor praktisch und ich kann den Rechnungsverlauf einsehen.
Alles ist an einem Ort. Es reicht ja, wenn ich ständig unterwegs bin.
Ihr nutzt Debitoor. Wie seid ihr drauf gekommen und wofür benutzt ihr es?
Wie bereits gesagt nutze ich es im Moment nur für die Rechnungen.
Ich weiß es kann noch viel mehr und ich habe mir für 2017 vorgenommen enger über Debitoor mit meinem Steuerberater zusammenzuarbeiten. Diese Zettelwirtschaft, das Hin-und Herschicken von Rechnungsbelegen muss einfach mal aufhören.
Darauf gekommen bin ich durch meinen Mann. Er ist ein großer Freund des digitalen Büros und hat mir Debitoor wärmstens empfohlen.
Wir haben mit ihr über ihre Arbeit und das Leben als Expat und Freelancerin in Berlin gesprochen – und die 3 wichtigsten Dos und Don’ts für einen erfolgreichen Start als Freelancerin in abgegriffen!
Berlin ist sehr Freelancer-freundlich. Es gibt hier so viele Startups, und damit auch viel zu tun, viele Gelegenheiten zum Netzwerken, und generell ist die Stimmung energiegeladen.
Als Amerikanerin hatte ich nicht allzuviele Schwierigkeiten. Berlin ist glücklicherweise eine sehr internationale Stadt. Die Allermeisten sprechen Englisch, und so hatte ich keine Probleme, Kunden zu finden, obwohl ich nur sehr wenig Deutsch sprach.

Ich bin jetzt zum ersten Mal selbstständig. Mitte 2015 habe ich angefangen, auf Fiverr.com digitale Portraits zu verkaufen. Das war ziemlich erfolgreich, und hat den Weg zu größeren und spannenderen Projekten geebnet.
Mein eigenes Unternehmen habe ich tatsächlich quasi als Nebenprojekt auf einem Backpacking-Trip durch Südamerika und Europa gegründet. In dieser Zeit habe ich alle möglichen Jobs gemacht um mein Reisebudget zu strecken.
Zum Beispiel habe ich für jeweils ein paar Wochen in Hostels oder Sprachschulen gearbeitet.
Vor all dem habe ich sechs Jahre lang in den USA für eine Firma gearbeitet, die individuell bedruckte T-Shirts anbietet – dort habe ich gekündigt, um auf Reisen gehen zu können.

Ich glaub jeder andere US-Amerikaner, der oder die jemals längere Zeit außerhalb seines Heimatlandes verbracht hat, wird mir zustimmen, dass die USA ein sehr isoliertes Land sind. Die USA spielen eine so große Rolle in allen weltpolitischen Angelegenheiten, aber ihre Bürger interessieren sich wenig für alles außerhalb ihres Landes.
Wenn wir also reisen, bemerken wir oft, dass wir viel weniger von der Welt wissen, als wir dachten. Ich habe mit 20 ein Auslandssemester in Italien gemacht, und seitdem immer das Gefühl, dass meine eigene Weltsicht sehr beschränkt ist und ich viel lernen muss.
Ich wollte also etwas wettmachen, was ich als Mangel in meiner persönlichen Bildung betrachtete, wollte eine neue Sprache lernen und besser verstehen, wie man in unterschiedlichen Teilen der Welt lebt.
Nein, das war eigentlich gar nicht geplant. Mir ging das Geld aus, aber ich wollte noch nicht zurück in die USA. Da habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, weiter im Ausland bleiben zu können.

Berlin war meine erste Wahl, wegen der Möglichkeit, ein Visum zu bekommen. In Berlin bekommt man als freischaffende Künstlerin sehr leicht eine Aufenthaltsgenehmigung – was in anderen deutschen und europäischen Städten schwieriger ist.
Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, hätte ich auch gerne in Budapest gelebt, oder vielleicht Madrid.
Aber ich bin glücklich, in Berlin gelandet zu sein. Es ist eine einzigartige Stadt, und es ist spannend hier zu sein, wenn sich so viele Dinge entwickeln und verändern.
Da ich keine direkte Erfahrungen mit Startup-Szenen in anderen Städten habe, ist es für mich schwer zu sagen.
Ich habe das Gefühl, dass Berlin einer Entwicklung folgt, wie es sie im Silicon Valley oder in London gab.
Ich denke, es dauert noch einige Jahre, bis sich sagen lässt, was genau die Berliner Startup-Szene im Vergleich zu anderen ausmacht.
Wenn ich das wüsste! Ich stehe ganz am Anfang meiner Karriere als Freelancerin, also kann noch viel passieren. Ich will mich mit meiner Kunst, meiner Arbeit als Freelancerin, und mit der Stadt, in der ich lebe befassen. Je nachdem, was in diesen Bereichen geschieht und wie sie sich entwickeln, entscheide ich, wie es weitergeht.


DO:
DON’T:
Übrigens: Ein Rechnungsprogramm nimmt dir als Selbstständige jede Menge lästige und zeitraubende Arbeit ab und verschafft dir schnell und einfach einen finanziellen Überblick. Rechnungen schreiben als Freelancerin kannst du damit etwa in wenigen Sekunden. So kannst du dich auf die spannenden Dinge konzentrieren.
Ein Rechnungsprogramm wie Debitoor ist darüber hinaus in verschiedenen Sprachen verfügbar – du kannst es also bei Bedarf auch easy auf Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch statt auf Deutsch nutzen.
]]>Lohnt sich das überhaupt noch, wenn doch fast alle online kaufen? Es gibt immer noch Branchen, in denen es wichtig ist, vor Ort zu sein und persönlichen Kontakt zu den Kunden zu haben.
Sei es zur Beratung, oder weil Dienstleistungen angeboten werden, etwa Reparaturen.
Aber wie geht man es an, wenn man den ersten eigenen Laden eröffnen will?
Matthias Krämer hat einen Radladen namens Radladen in Berlin-Friedrichshain und hat das alles durch – eigentlich sogar zweimal, denn im Frühjahr 2016 ist er mit dem kompletten Laden umgezogen. Er weiß also, wovon er redet.
Hier kommen die sechs besten Tipps zur Ladeneröffnung.

1.Fang klein an
Matthias hat sich 2012 selbstständig gemacht. „Ich kam damals direkt aus dem Studium und wollte sicher sein, dass ich das alles finanzieren kann und habe daher erstmal ein Kleingewerbe gegründet.“
Den eigenen Laden gab es nicht von Anfang an:
„Ich habe zunächst viel online gemacht, um ein kleines Startkapital zu haben, bevor ich einen Laden aufmache. Ich war mir auch gar nicht sicher, ob ich überhaupt einen Kredit bekommen hätte.“
Auf die Weise hältst du das finanzielle Risiko erstmal gering und kannst dich Schritt für Schritt vorwagen.

2. Sei flexibel mit deiner Geschäftsidee
Ursprünglich wollte Matthias sein Geschäft hauptsächlich online betreiben. Das Ladenlokal sollte eher Anlaufstelle für Online-Kunden sein, die sich Sachen vor Ort anschauen wollten, oder umfangreichere Aufträge lieber persönlich besprechen.
„Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass das Ganze angenommen wird wie ein normaler Fahrradladen.“
Ein Jahr lang liefen Laden und Online-Geschäft dann noch parallel – „Inzwischen ist es aber genau umgekehrt: Ein paar Sachen mache ich noch online, vor allem die sehr hochpreisigen Räder, aber sonst läuft alles über das Ladengeschäft.“


3. Finde gute Mitarbeiter
Matthias hat lange alles alleine geschmissen. Bis das Unternehmen immer weiter wuchs.
„Irgendwann habe ich dann aber auch gemerkt, dass das überhaupt nicht mehr zu schaffen ist. Zunächst habe ich daraufhin meinen Mitarbeiter Philipp auf 450€-Basis eingestellt. Reichte auch bald nicht mehr, dann wurde er Vollzeit fest angestellt. Als wir weiter wuchsen, kam vor einigen Monaten noch Niklas, mein zweiter Angestellter, hinzu. Wir sind zwar nicht besonders groß, aber immerhin kann ich mittlerweile zwei Leute beschäftigen.“
Und wie findet man die richtigen Leute, gerade wenn man zum ersten Mal jemanden einstellt und plötzlich in der Rolle des Arbeitgebers ist?
„Philipp kam tatsächlich einfach in den Laden. Er war mit seinem alten Job unzufrieden und hat sich vor Ort bei mir im Radladen beworben, und das gefiel mir. Dadurch bekommt man direkt einen Bezug zu dem Menschen, und es sagt viel mehr aus als eine schnöde Papierbewerbung.“
Falls der perfekte Mitarbeiter nicht einfach zur Tür reinspaziert, sind spezialisierte Jobportale eine gute Anlaufstelle. Seinen zweiten Mitarbeiter hat Matthias zum Beispiel auf bikejobs.de gefunden – Nach Bewerbung und Probearbeiten war klar, dass es passt.

Und der ganze Papierkram und organisatorische Aufwand, der dranhängt, wenn man Leute einstellt? Pro-Tipp: Du ersparst dir jede Menge Aufwand, wenn du einen guten Steuerberater hast, der dich auch bei diesen Dingen unterstützen kann.
„Bei Philipps Minijob hatte ich tatsächlich gar keine Ahnung, wie das ist auf einmal Arbeitgeber zu sein, habe das aber trotzdem alles selbst organisiert. Das war schon stressig. Inzwischen habe ich ein tolles Steuerbüro gefunden, die haben mir dann die formalen Sachen bei den Festanstellungen abgenommen.“
4. Hab keine Angst vor Veränderung
Warum sollte man überhaupt umziehen mit einem gut laufenden Laden? Genau – wenn es richtig, richtig gut läuft zum Beispiel, und der Platz einfach nicht mehr ausreicht.
Matthias: „Es war einfach ein sehr kleiner Laden, nur 60 qm. Das war einfach notwendig. Jetzt habe ich etwas mehr als 140 qm. Trotzdem platzen wir fast schon wieder aus allen Nähten. Zum Glück. Ich wusste nicht genau, wie es werden würde.“

5. Wähle deinen Standort gut
Wie findet man ein neues, passendes Ladenlokal?
„Ich habe viel gesucht, bin mit dem Rad durch die Gegend gefahren, habe geschaut, wo Läden leer stehen hier im Kiez.“
Matthias war es wichtig, in der Nähe zu bleiben, um seine Stammkunden zu behalten – denn an einem weiter entfernten Standort hätte er komplett von null angefangen. Ein viel größeres Risiko. Ein Kilometer um den alten Laden war daher sein Suchradius.
Als er dann den leerstehenden Laden auf der Halbinsel Stralau entdeckte, war er zunächst skeptisch. In dieser Lage gibt es quasi kein Laufpublikum – im Gegensatz zum alten Standort.
Dafür stellten sich Vorteile der Insel-Lage später heraus:
„Ich habe diese ganze Enklave Stralau: Jeder der von der Halbinsel runterfährt, muss am Laden vorbei, und abends, wenn die Leute von der Arbeit zurück kommen, kommen sie nochmal vorbei. Dann ist der Laden am späten Nachmittag und abends direkt voll. In Berlin gibt es an jeder zweiten Ecke einen Fahrradladen, aber hier im Kiez sind wir der einzige und haben daher ein Einzugsgebiet von 6.000 Leuten.“
Ein zweiter Blick lohnt sich also bei der Standortwahl.

6. Leg selbst Hand an
Wenn du handwerklich begabt bist, kannst du eine Menge Geld sparen und deinen Laden ganz individuell gestalten.
Matthias Laden war vor Jahren eigentlich mal als Supermarkt geplant. Der zog aber nie ein, und das Ganze wurde in zwei Ladenlokale aufgeteilt. Im jetzigen Radladen war mal ein Baubüro.
Matthias hat Ausräumen und Renovieren des Ladens übernommen – und dafür eine Monat mietfrei bekommen. Guter Deal für ihn.
Aber im Laden steckt auch eine Menge Arbeit: „Hier waren ganz schreckliche Fliesen drin, die mussten raus. Auch die ganzen Holzeinbauten und die Podeste, auf denen die Fahrräder stehen hab ich alle selbst gebaut. Das war mir auch wichtig, weil ich generell alle handwerklichen Dinge gerne mache, nicht nur an Rädern rumschrauben.“
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Wir haben Andre von der Berliner Popcornmanufaktur Knalle getroffen. Er erzählt im Interview, wie aus einer bloßen Idee ein neues Produkt entsteht und warum Zucker eine ganz besondere Substanz ist.
Erzähl doch mal wie ihr dazu gekommen seid euch selbstständig zu machen und woher die Idee mit dem Popcorn kam?
Die Idee kam von Christopher, der kannte das aus den Staaten, wo er oft beruflich unterwegs war. Und Christopher kennt Lucie und mich hier aus dem Laden, er war Stammgast. Er war der Meinung, dass er das mit uns gut umsetzen kann.
Ihr habt euch also über die Idee erst kennengelernt, und er hat euch da angesprochen?
Genau. Er war regelmäßig hier, auch mit seiner Freundin und deren Familie. Deshalb wusste er auch, mit wieviel Leidenschaft wir das hier machen. Wir sind ja beide vom Fach, beide gelernte Köche. Lucie hat als Chefpatissière in einem Sternerestaurant gearbeitet, hat also einfach eine feine Hand und einen guten Geschmack.
Ich sage immer gerne: Sie kann schön, ich kann viel. Und beim Popcorn kam das ganz gut zusammen.

Aber das mit dem Popcorn war für euch trotzdem was ganz Neues, oder habt ihr was Ähnliches schonmal gemacht?
Absolut. Wir haben zwar auch hier schon ein paar kleine Manufakturprodukte hergestellt, aber nichts was mit Popcorn, Mais oder ähnlichem zu tun hatte. Das Gute ist natürlich, dass Lucie sehr genau weiss, wie sich Zucker verhält, was für Sorten Zucker es gibt, wie man welche Geschmacksrichtungen kombinieren kann. Aber dem Prinzip Popcorn mussten wir uns auch erstmal annähern.
Ihr produziert aber nicht hier im Café?
Nein, es gibt eine kleine Produktionsküche in Friedrichshain, die hatten wir auch vorher schon, weil wir zum Beispiel auch Hochzeitstorten herstellen. Hier wäre für solche Sachen viel zu wenig Platz.

Du hast grade schon erwähnt, dass man sich mit der Materie auskennen muss, was zum Beispiel den Umgang mit Zucker angeht. Grade bei Popcorn ist es bestimmt auch nicht einfach, das so abzupacken und haltbar zu machen, dass es auch nach einer Weile noch schmeckt?
Wir haben lange getüftelt an den Rezepten und viel mit unterschiedlichen Arten von Zucker expermentiert. Es gibt bei Popcorn unterschiedliche Herangehensweisen. Der Unterschied zwischen uns und anderen, die Popcorn in dieser Form verkaufen, ist, dass wir unser Popcorn backen.
Das heißt, es wird Karamell gekocht, das Popcorn wird gepoppt, und dann wird das fast fertige Karamell über das Popcorn gegeben. Im Anschluss komm es dann nochmal in den Ofen und wird fertig gebacken. Das sind Schritte, die man sich tatsächlich erst durch Ausprobieren erarbeiten muss.
Also anders als beim klassischen Kinopopcorn?
Genau. Im Kino wird tatsächlich einfach der ungepoppte Mais und der Zucker in einen Topf gegeben, und das Karamellisieren und das Poppen passiert quasi gleichzeitig.
Wir geben aber zusätzlich noch Aromen hinzu und erhalten die optimale Karamellkonsistenz durch weniger starkes Erhitzen, aber dafür anschließendes Backen.


Ihr habt jetzt vier unterschiedliche Sorten? Wie habt ihr die entwickelt?
Fünf sogar! Lucie bringt einfach schon sehr viel Erfahrung mit für Sachen, die geschmacklich gut miteinander funktionieren.
In der Gastronomie gibt es aber natürlich auch klassische Kombinationen die immer wieder auftauchen, Karamell und Salz zum Beispiel.
Und dann gibt es natürlich Dinge, die einen selber anmachen. Ich stehe zum Beispiel unheimlich auf Barbecue-Sauce und Rauchmandeln finde ich als Snack großartig, und so haben wir beides kombiniert und aufs Popcorn gemacht – und es funktioniert super.
Salzbrezeln sind auch toll zusammen mit einem Karamell aus weißer Schokolade.
Die Popcorn-Geschichte ist also auch nicht eure erste Selbstständigkeit, ihr hatte schon vorher euer Café?
Genau, das Café gibt es jetzt vier Jahre.

Warum habt ihr euch nach eurer Tätigkeit als Koch bzw. Patissière in der gehobenen Gastronomie dann für die Selbstständigkeit entschieden?
Spitzengastronomie ist unheimlich undankbar. Die Abwanderungsquote liegt nicht zufällig bei etwa 40 Prozent momentan.
Grade in Berlin gibt es so viele tolle kleine Läden, die von guten Gastronomen mit hervorragender Ausbildung betrieben werden.
Die Leute merken irgendwann, dass sie die in der Gastronomie üblichen 60, 70, 80 Stunden pro Woche lieber für sich selbst arbeiten und selbst entscheiden, was mit ihrer Zeit anfangen.
Bei uns war es ähnlich, und außerdem haben wir zwei kleine Kinder, daher war es uns wichtig, unsere Zeit frei einteilen zu können. Und bei der Größe unseres Ladens geht das tatsächlich noch ganz gut.
Ist das auch euer Kiez hier, wohnt ihr in der Ecke?
Gottseidank nicht! (lacht)
Ich mag den Kiez wirklich, aber ich finde es tatsächlich gefährlich, so nah am eigenen Business zu wohnen. Da geht das Privatleben komplett flöten, weil man immer „noch schnell“ irgendwas machen geht. Wir wohnen in Friedrichshain und haben 20 bis 30 Minuten Fahrtweg, da überlegt man sich zweimal, ob man nochmal herfährt.
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An diesem sonnigen Tag ist zwar der schönste Platz auf den Stufen vor dem Eingang, aber ein Blick ins Innere natürlich aufschlussreicher. Auf dem langen Tisch im breiten Gang liegen Nudeln und Gemüse bereit – oft kochen die Mieter und Mieterinnen eines Ateliers für die Anderen. Heute sind Caroline und Valérie dran.
Weiter gehts, vorbei an einem Kicker und Vintage-Sesseln, ins eigentliche Atelier der Zwillingsschwestern.
Wichtigste Einrichtungsgegenstände: Ein großes Metallregal voller Boxen mit Taschen, beschriftet mit den verschiedenen Farben und Mustern. Und ein Arbeitstisch am Fenster.
Fertigung in Bayern
Gefertigt werden die Taschen allerdings seit kurzem nicht mehr direkt vor Ort von Caroline und Valérie, sondern in einer Manufaktur in Bayern – die Nachfrage wurde so groß, dass es nicht mehr machbar war für den Zwei-Frau-Betrieb. In Berlin wird nun nur noch letzte Hand an die Stücke gelegt, Ösen angebracht und Labelschildchen drangehängt, verpackt und versandt.
2013 haben die beiden ihr Taschenlabel Marinetmarine gegründet. Hauptprodukt: schlichte, schöne, robuste Seesäcke. Eine simple Form, in vielen verschiedenen Farb- und Musterkombinationen. Außerdem entstehen in Zusammenarbeit mit einer Berliner Ledermanufaktur Taschen und Accessoires aus Leder.
Dass die Schwestern irgendwann mal zusammenarbeiten wollen, war schon lange klar – und bot sich auch an. Valérie hat Produktdesign in Aachen studiert, Caroline Graphikdesign in Wiesbaden.
Die Anfänge: Stoffe färben in der WG-Badewanne
„Wir haben damals zusammen in einer WG gewohnt und haben angefangen mit Stoffen, die wir in der Badewanne gefärbt haben.“
Und die anderen Mitbewohner? „Wir haben das immer eher diskret gemacht, meist nachts, und dann natürlich danach die Wanne geschrubbt“, lachen Beide. „Aber auch die Arbeit an den Taschen, das laute Ösen reinhauen mit dem Hammer, die Nachbarn müssen uns gehasst haben. Aber irgendwie hat sich nie jemand beschwert.“
Und wieso haben es ihnen ausgerechnet die Seesäcke angetan?
„Ich habe schon immer genäht“, erzählt Caroline, „so vor 7, 8 Jahren im Studium war ich eine Zeit lang besessen von der Idee den perfekten Seesack zu nähen. Als ich dann meinen Abschluss gemacht habe, geriet das wieder eine Weile in Vergessenheit. Aber hier in Berlin hat Valérie dann die Idee wieder aufgegriffen. Uns fiel auf: Berlin ist eine Fahrradstadt, die Leute brauchen Taschen, die gleichzeitig schön und praktisch beim Radfahren sind.“

Gut aussehen auf Blog und Instagram
Die fertigen Taschen kamen immer erstmal mit in den Urlaub bei den französischen Großeltern, die in der Bretagne an der Atlantikküste wohnen – für schöne Fotos in der natürlichen Umgebung eines Seesacks: am Strand oder auf einem Segelboot.
„Unser Faible für die Seesäcke und generell Maritimes kam bestimmt auch von diesen Sommern in Frankreich am Meer.“
Über die Bilder auf ihrem Blog und ihrem Instagram-Account bekamen die beiden Aufmerksamkeit für ihr Label. So wurden sie etwa von den Machern von FvF, Freunde von Freunden, interviewt.
Offline sind die Zwei ebenfalls präsent: „Unsere Taschen werden neben unserem Onlineshop auch im Einzelhandel verkauft. Einfach mal hingehen, ansprechen, vorstellen, so hat meist der Kontakt zu den Läden funktioniert.“
Vor Marinetmarine haben Valérie und Caroline studiert bzw. fest angestellt gearbeitet. Also ein kompletter Sprung ins kalte Wasser für beide, das mit dem eigenen Label?
Designstudiengänge sind in der Regel sehr fokussiert auf Eigeninitiative und eigenständiges Arbeiten, erzählen die beiden. Daraus nahmen beide viel mit. „Nur diese ganzen Bürokratiesachen – damit kämpfen wir immer noch. Das ist so learning by doing, bei jeder neuen Sache müssen wir uns auch erstmal damit auseinandersetzen.“
Caroline hatte außerdem vorher bereits im Bereich E-Commerce gearbeitet und bei Kaufdichglücklich Webdesign und Fotografie für den Onlineshop übernommen – „So war ich immerhin nicht völlig ahnunglos!“

Familienunternehmen
Ist es cool, ein Label mit der eigenen Schwester zu machen, oder nervt es auch manchmal? Lachen. „Beides! Wir denken so gleich, dass wir genau wissen, wie man die andere auf die Palme bringen kann, aber genau deshalb können wir auch nach einem heftigen Streit schnell wieder weitermachen und produktiv zusammenarbeiten. Wir haben den gleichen Geschmack und kommen immer auf einen Nenner.“
Wie arbeiten die Schwestern zusammen?
„Die Designs entwickeln wir gemeinsam. Wir besprechen erstmal die Ideen, und dann geht es an die Umsetzung, an den Prototypen. Alleine wäre ich da glaube ich unsicherer, so bekommen wir immer gegenseitig Feedback voneinander und das bestärkt und hilt, Ideen weiterzuentwickeln.“
Aber abgesehen davon merkten die Beiden auch bald, dass sie manche Aufgaben aufteilen müssen.
Dabei ergänzen sich die Ausbildungswege der Beiden gut: Graphikdesignerin Caroline kümmert sich um die digitale Umsetzung, das Webdesign, den Onlineshop. Produktdesignerin Valérie ist zuständig für die komplette Produktion: Materialsuche, Lieferanten, Zusammenarbeit mit den Manufakturen.
Nur in einer WG wohnen die Schwestern schon lange nicht mehr gemeinsam: Nach einem halben Jahr gemeinsamen Arbeitens und Wohnens „war es Overkill“, lachen Beide.
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Nachdem die Gruppe den Kursraum verlassen hat, kann Milena Klingel ihre Yogamatte fürs Foto ausrollen. Gleich hinter den großen Fenstern des Erdgeschoss-Studios liegt der Amalienpark.
Wir sind mitten in Pankow, und damit ein ganzes Stück weg von den zahlreichen hippen Mitte-Yogastudios.
Yoga im Kiez
Milena wohnt im Prenzlauer Berg und hatte die Wahl, den örtlichen Schwerpunkt ihrer Kurse eher in Mitte oder im beschaulicheren Pankow zu setzen. Entschieden hat sie sich schließlich für den Norden.
Weils familiärer ist, etwas unangestrengter.
Und es auch aus unternehmerischer Sicht gut ist, nicht zu viel Zeit mit Wegen von A nach B zu verlieren. Denn die Wegzeit müsste bei der Preiskalkulation logischerweise mit einberechnet werden – was in einer Branche mit großer Konkurrenz nicht immer möglich ist.
Im Bewegungsstudio Amalie ist die Atmosphäre denn auch eher familiär als über-hip. Die Inhaberin erzählt aus der Gründungsphase vor 8 Jahren, wie sie ohne große Werbung und Marketingstrategien einfach mal loslegte. Und es deshalb entsprechend langsam anlief, es jetzt aber ein Stammpublikum gibt, dass das Sportstudio im Kiez schätzt.


Später im Café Eden schräg gegenüber hat Milena wieder vom Yoga-Dress zu Jeans und Boots gewechselt. Es gibt Soja-Cappucchino und Käsekuchen.
Aktuell arbeitet Milena noch angestellt als Ergotherapeutin, in der therapeutischen Arbeit mit Wildpferden – „eigentlich ein toller Job, aber ich merke, dass ich mein eigenes Ding machen will und den Fokus noch stärker auf Yoga legen. Yoga hat für mich mehr Leichtigkeit. Und Bloggen. Denn Online-Marketing ist einfach cool. Und man kann von überall aus arbeiten.“
Yoga hat Milena schon als kleines Kind von ihrer Mutter gelernt. Danach allerdings für viele Jahre nichts mehr gemacht, bis sie vor acht Jahren wieder anfing. Seit zwei Jahren ist sie ausgebildetet Yogalehrerin.
Yoga unterrichtet sie seitdem immer nebenberuflich als selbstständige Yogalehrerin, gibt Kurse in Studios und bietet Betriebsyoga für Angestellte im sozialen Bereich an. Von Anfang an mit relativ großer Nachfrage – „Einige Anfragen konnte ich gar nicht wahrnehmen, wegen meiner Anstellung als Ergotherapeutin, da war die Zeit einfach sehr begrenzt.“

Die Selbstständigkeit langsam nebenberuflich aufzubauen war zunächst auch tatsächlich Milenas Plan, klappte aber auf Dauer nicht: „Ich habe gemerkt, dass mein Job mit den Wildpferden und den Klienten einfach zu aufreibend dafür ist. Wenn ich da abends nach Hause komme, gerade im Winter, bin ich erstmal durch und schaffe nicht mehr viel anderes.“
Darum jetzt: Der Sprung ins kalte Wasser und die Festanstellung aufgeben. Immer noch mit vielen Fragezeichen, aber ganz gut aufgestellt. Geholfen hat unter anderem ein einjähriges Coaching über die Berliner Gründerinnenzentrale, eine Anlaufstelle für Infos und Beratung für Frauen, die sich selbstständig machen wollen.
„Ich dachte lange, wenn ich mich selbstständig mache. müsste ich was total revolutionär neues machen, was es noch überhaupt nicht gibt. Mittlerweile glaube ich aber, dass es vollkommen ausreicht, in seinem Bereich eine Nische zu finden und sein Ding mit einer persönlichen Note zu machen.“
Ohne Netz und doppelten Boden
Das Yoga Projekt wird nun also die erste Vollzeit-Selbstständigkeit. Ganz ohne Backup und Sicherheitsnetz, wie es bisher immer eines gab, sei es die Festanstellung oder das BAFÖG während einer Schauspielausbildung und selbstständiger Arbeit nebenbei.
Trotzdem hat sie auch jetzt ein Konzept mit zwei Standbeinen entwickelt: Neben der Arbeit als Yogalehrerin startet Milena ihren eigenen Blog Boost your om.
Auch das braucht natürlich erstmal etwas Anlaufzeit: „Die ganzen technischen Sachen sind auch neu für mich, und ich habe mir für einige Dinge Hilfe geholt, etwa für das Design von Logo und Banner. Auch wenn ich am Anfang dachte ich mache alles alleine – da hab ich aber schnell gemerkt, dass das Quatsch ist.“
Angetestet hat sie das Bloggen über ihren Instagram-Account – einfach um zu testen, ob es klappt, regelmäßig Content, in diesem Fall Fotos mit kurzen Texten, zu produzieren. Tat es.
„Ein Jahr lang habe ich jeden Tag ein Foto gepostet, und gemerkt, dass das Feedback sehr gut ist und ich dadurch einfach immer präsent bin bei den Leuten.“
Immer wieder stellten Follower Fragen zum Thema Yoga, gesunde Ernährung, gesunder Lifestyle. Daran wird sich auch der Blog orientieren – zunächst thematisch breit gestreut, um auszutesten, was funktioniert für die Leser. Auch zwei Gastblogerinnen mit jeweils eigenen Themenschwerpunkten hat sie bereits gefunden.
Yogablogs gibt es schon viele – gerade in Berlin leben einige der erfolgreichsten Blogger. Anfänglichge Zweifel, ob es noch einen weiteren braucht, hat Milena überwunden: „Ich lasse meine eigene Persönlichkeit mit einfließen und mache es damit zu einer Marke.“
Ein erster Schritt ist der Fokus auf eine bestimmte Zielgruppe: „Ich glaube ich will nur für Frauen schreiben. Einmal kann ich dann mein Publikum gezielter ansprechen, und gefühlt auch intimer und persönlicher schreiben.“

Netzwerken und in Bewegung bleiben
Kontakte zu Yogastudios Studios und Möglichkeiten, Kurse zu unterrichten haben sich hauptsächlich über ein großes persönliches Netzwerk ergeben.
„Ich hatte schon diverse Jobs als Ergotherapeutin in Berlin, daraus haben sich viele Kontakte ergeben. Ich unterrichte zum Beispiel Betriebsyoga im Kaspar-Hauser-Therapeutikum, wo ich vorher als Ergotherapeutin angestellt war.“
Im Pankower Studio Amalie sprang sie als Vertretung für einen befreundeten Yogalehrer ein – und die Stunde lief so gut, dass sie dort einen eigenen Kurs bekam.
Trägt sie als Lehrerin das volle Risiko, wenn zum Beispiel keiner zum Kurs kommt? Wie ein Studio die Kurse organisiert, ist unterschiedlich. Mal übernimmt das Studio Werbung und bezahlt dem Unterichtenden eine Pauschale, unabhängig von der Teilnehmerzahl.
Teilweise bauen sich Yogalehrende aber auch eigene Kurse in Studios auf. Dann sind sie komplett verantwortlich dafür, den Kurs zu bewerben und werden pro Teilnehmer bezahlt. Mehr Aufwand und Risiko, aber natürlich auch im besten Fall lukrativer als ein Pauschalbetrag pro Kurs.
Letzteres hat Milena für die Zukunft wieder fest geplant: Schließlich ist mit dem neuen Blog gleich ein gutes Marketinginstrument am Start.
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Beim monatlichen Streetfood Thursday treten sich die Besucher gegenseitig auf die Füsse, eine Veranstaltung wie die Käsemesse Cheese Berlin sammelt knapp 6.000 Zusagen auf Facebook ein.
„Ein Anliegen der Markthalle IX ist es ja auch, die Lebensmittelproduktion wieder zurück in die Stadt zu holen. Deshalb passen wir hier hervorragend hin.“

Die Tofu Tussis residieren im Keller des 1891 erbauten Gebäudes mit 3500 qm Grundfläche. Über eine Treppe in der Mitte der Halle geht es nach unten, ein paar mal um die Ecke und schliesslich in die Produktionsräume von Elena Grimm und Franzi Schauren.
Es ist kühl dort unten, was sich aber an den Produktionstagen drastisch ändert: Die großen Kessel hüllen die Küche regelmäßig in heißen Dampf. Statt in Winterjacke am Schreibtisch, wie heute, heisst es dann im T-Shirt in der Küche stehen.
It’s a long way to Kreuzberg
Bis die beiden die Räume gefunden und von einem Kellerverschlag ohne Strom- und Wasseranschluss in eine Gewerbeküche verwandelt haben, hat es allerdings eine Weile gebraucht.

Gestartet sind Franziska und Elena auf der anderen Seite der Spree, in Friedrichshain. Dort hatten Sie sich für die Produktion in einer Marmeladenmanufaktur eingemietet. Die wurde allerdings schnell zu klein – denn „dafür, dass wir das beide zunächst nebenberuflich gemacht haben, sind wir recht schnell gewachsen.“ So ging die Suche nach Räumen mit genügend Platz und entsprechender Ausstattung los:
„Wir brauchten größere Maschinen und Kochkessel, und einen eigenen Raum. Das ist natürlich nicht leicht zu finden, mit bezahlbarer Miete und in der Innenstadt. Ausserdem ist der Ausbau für eine Gewerbeküche sehr aufwändig und teuer, wegen der ganzen lebensmittelrechtlichen Vorschriften.“
Der Kontakt zur Markthalle bestand bereits – „Hier kennt ja irgendwie jeder jeden“. Aber der Ausbau der angebotenen Kellerräume schien zunächst zu aufwändig und teuer. Aber die Suche nach bereits fertigen Küchenräumen stellte sich ebenfalls als schwerer als gedacht heraus: Selbst weit draussen am Stadtrand waren gab es bei allen bezahlbaren Optionen wieder Einwände vom Gesundheitsamt wegen der Lebensmittelhygiene, selbst wenn dort vorher schon Lebensmittel produziert worden waren.
Am Ende landeten Franziska und Elena doch wieder in der Markthalle – und sind ganz froh, dass es mit der Küche ganz ab vom Schuss doch nicht geklappt hat. Denn die Markthalle ist mitten im Kiez – und bei ihren Kunden.
Der Keller und die Kohle
„Das hier waren allerdings tatsächlich ganz rohe Kellerräume. Hier im Büroraum gab es Strom, aber in der Küche musste der erst gelegt werden, genauso wie Wasser. Wir brauchten neue Fenster in der Küche. Es war Wahnsinn, was da alles zusammenkam.“
Die Ersparnisse steckten bereits in der Firma – sowohl finanziell als auch was den handwerklichen Aufwand anging, war der Ausbau ein riesiges Projekt für das junge Unternehmen.
Die Lösung: eine Crowdfunding-Kampagne und viel handwerkliche Hilfe von Freunden.
Innerhalb eines Monats stand die Kampagne bei Indiegogo. Eine befreundete Graphikerin und eine Social-Media-Managerin produzierten ein Video und brachten die Aktion ins Rollen.
Im Juli 2015, nach drei Monaten Bauzeit, konnte die neue Tofumanufaktur im Keller bezogen werden.

Die Tofu-Bibel aus den Achtzigern
Franziska und Elena kannten sich schon länger, bevor sie ihr Unternehmen mit dem selbstironischen Namen „Tofu Tussis“ gründeten.
„Wir waren mal zusammen im Asia Markt und haben da frischen Tofu gekauft. Wir fanden den total lecker, viel leckerer, als der, den man sonst so abgepackt bekommt. Wir haben damals nicht gewusst, wo die ganzen Zutaten dafür herkommen, dachten uns aber: „Das kriegen wir auch hin.“
Die beiden Berlinerinnen fingen an, online nach Rezepten zu suchen und zu recherchieren, ob es deutsche Bio-Sojabohnen gibt (Gibt es, hauptsächlich in Süddeutschland, mittlerweile aber auch in Brandenburg).

Die ersten Tofu-Tests gingen teilweise ziemlich schief. Ein Buch aus den 80er Jahren half schließlich weiter. Die „Tofu-Bibel“ wird es liebevoll genannt und steht im Regal über dem Schreibtisch. Mittlerweile haben die zwei herausgefunden, dass alle kleinen Tofuhersteller in Deutschland damit angefangen haben. „Die Rezepte sind zwar kompliziert zu lesen, aber sie funktionieren.“
Nachdem der selbstgemachte Tofu nicht nur bei den beiden selbst gut ankam, sondern auch bei Freunden, entschlossen sich die beiden, daraus ein Geschäft zu machen.
Entscheidung und Start in die Selbstständigkeit
Sowohl Franziska als auch bei Elena hatten Lust, etwas neues anzufangen zu dieser Zeit. Zuvor haben beide im sozialen Bereich gearbeitet.
„Ich wollte gerne was handwerkliches machen, wo am Ende ein fertiges Produkt steht. Man fängt morgens an, abends ist es fertig. Es zieht sich nicht über zwei Jahre hinweg.“
Für Franziska war es nicht die erste Selbstständigkeit, sie war schon immer nebenberuflich selbstständig, meist mit Projekten im Bereich soziale Arbeit. Einige Jahre betrieb sie außerdem mit Freunden einen mobile Pizzeria auf Festivals.
Lebensmittelproduktion war für Beide allerdings neues Terrain.
Businessplan und Buchhaltung
„Wir haben auf einmal Ahnung von Dingen, mit denen wir uns noch nie vorher beschäftigt hatten, Landwirtschaft zum Beispiel, Aussaatzeiten und so weiter. Wenn einmal im Jahr die Ernte stattfindet, müssen wir uns festlegen, wieviel Sojabohnen wir brauchen für das kommende Jahr.“
Das war auch der Grund warum es dann doch auch mal einen Businessplan geben musste, wenn auch erst seit kurzem. Acht Tonnen Sojabohnen für 2016 sieht er vor.
Franzi: „Ich war ja teilweise schon mit der Urlaubsplanung fürs nächste Jahr überfordert. Und jetzt müssen wir auf einmal einschätzen, wieviel Soja wir für ein komplettes Jahr brauchen, denn es gibt dann einfach nichts mehr.“
Neben dem Businessplan ist auch die Buchhaltung ein notwendiges Übel für die beiden: „Buchhaltung ist ein ganz ganz schlimmes Thema bei uns, es ist ganz furchtbar. Wir konnten jetzt zum Glück einen großen Teil abgeben an eine Steuerberaterin, das gönnen wir uns jetzt. Was heißt das gönnen wir uns jetzt, es geht einfach nicht anders.“
Anfangs war Elena noch motiviert, sich selbst mit diesem Thema auseinanderzusetzen, machte eine zweitätgige Fortbildung bei der Gründerinnenzentrale – und gab dennoch irgendwann entnervt auf. Franziska plädierte von Anfang an für eine Steuerberaterin.
Mittlerweile schreiben die Tofu Tussis Rechnungen mit Debitoor, erfassen Ausgaben und nutzen es vor allem, um einen Überblick zu haben. Die Steuerberaterin hat Zugriff auf den Account, exportiert selbst die Buchhaltungsdaten und kümmert sich um alles weitere: „Wir geben immer fleißig alle unsere Einnahmen und Ausgaben ein, einfach nur für unseren Überblick. Und die Steuerberaterin macht dann über die Schnittstelle ihr Ding damit. Mehr wollen wir damit nicht zu tun haben.“
Ladentheke und Onlineshop
Während des Gesprächs geht die Tür auf, jemand bringt eine große schwarze Kunststoffbox herein. Eine der teuren Tofu-Versandkisten kommt zurück, 70 Euro kostet eine.

Zu Beginn gab es auf der Website der Tofu Tussis auch einen Onlineshop. Den überregionalen Versand haben sie mittlerweile aber fast ganz eingestellt:
„Das wir gekühlt verschicken müssen, ist ein großes Problem. Mit der Post verschicken geht eigentlich gar nicht, nur per Express. Und das ist sehr teuer.“
Der frische Tofu hält sich nämlich im Gegensatz zum abgepackten, pasteurisierten nur etwa eine Woche. Daher ist der Vertrieb über einen Großhandel auch praktisch unmöglich: dort liegt ein Produkt wegen langer Wege und großem logistischem Aufwand oft erstmal zwei Wochen, bevor es überhaupt in die Regale kommt.
Das türkise Tofu-Mobil
Der meiste Tofu wird ohnehin direkt vor Ort verkauft: Seit Anfang 2015 hatten Franziska und Elena einen Stand auf dem Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz und einige kleine Bioläden verkauften ihre Produkte.
Seit Januar 2016 gibt es den Verkaufsstand direkt in der Markthalle 9, so dass Produktion und Verkauf unter einem Dach stattfinden. Passenderweise befindet sich die Tofu-Kühltheke in einem knallig türkisgrün gestrichenen Caravan.

Geplant haben die Beiden außerdem eine Erweiterung des Sortiments: Aufstriche, Snacks und frische Sojashakes.
Und dann natürlich den Streetfood-Thursday in der Markthalle mitmachen.
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Philip, einer der Gründer, begrüßt mich und lässt mich alle drei Sorten probieren.
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Kornbrand, Bratapfel, Bitter Rose
Wir starten behutsam mit dem Bratapfel-Moonshine – Noten von Apfel, Zimt und Gewürzen, mild, etwas süß und passend zu den vereisten Bürgersteigen und der blassen Wintersonne an diesem Januartag.
Der Bitter Rose ist dafür etwas frischer und sommerlicher: leicht bitterer Grapefruitgeschmack und weitere Fruchtnoten. „Geht auch gut mit Tonic als Longdrink“, erklärt mir Philip Morsink, die eine Hälfte der Moonshine-Jungs.
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Am Ende kommt trotz 10.00 Uhr Morgens noch ein kleines Schlückchen vom Original dran, als Kornbrand mit 38 Prozent Alkohol wesentlich stärker als die beiden Liköre. „Dieser ist bei uns bis zu 18 Monate im Eichenfass. Ein Whisky ist es daher noch nicht, da hierfür eine Reifezeit im Fass von 3 Jahren Pflicht ist.“
Prohibition und Selbstgebrannter
Philip Morsink und August Ullrich kenen sich bereits aus der Schule. Studiert haben sie BWL in Münster und St. Gallen. August brachte nach einem Jahr in den USA die Idee für das Unternehmen mit. Ende 2013 ging es dann los mit O’Donnell Moonshine.
Moonshine war während der Prohibition in den USA die Bezeichnung für schwarzgebrannten Alkohol. Zur besseren Tarnung wurde dieser eben in Einmachgläsern statt in Flaschen abgefüllt.
„Es gibt keine keine genauen Regeln oder gar ein Rezept für die Herstellung von Moonshine. Die Basis ist meistens Mais oder Weizen, da beides einfach zu bekommen war. Unser deutscher Moonshine ist ein weicher Weizenbrand, das amerikanische Pendant hingegen ist oft so stark, dass es kaum noch trinkbar ist.“
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In den Staaten gibt es bis heute einen Kult um den Stoff. Mittlerweile wird er auch dort von einer großen Brennerei hergestellt – aber eben auch nicht immer. Auch selbstgebrannten Moonshine gibt es noch.
In Europa hingegen war der legendäre Schnaps bislang jedoch nicht zu bekommen.
„Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin“
O’Donnell arbeitet mit zwei Brennereien in Köln und Olpe zusammen, die die Spirituosen produzieren. Die Gläser werden direkt aus den USA importiert.
Den Vertrieb organisieren die beiden aber komplett von Berlin aus. Für die Unternehmensgründung sind Philip und August bewusst von ihren jeweiligen Studienorten aus nach Berlin gezogen.
„Es gibt hier einfach viel mehr Möglichkeiten, eine Idee wirklich auszuprobieren. Berlin ist viel diverser – alle potentiellen Zielgruppen sind in der Stadt vertreten, es existiert eine riesige Anzahl an Läden, die das Produkt vertreiben können.“
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Schnaps und Rock’n’Roll
Und wer hat sich als Moonshine-Zielgruppe entpuppt? „Einmal ist es die ganze Rockabilly-Szene mit ihrer Amerika-Affinität. Wir hatten eigentlich eher an das Klischee „harten Kerle“ als Abnehmer gedacht, auch in der Tattoo-Szene sind wir beliebt – aber für uns recht überraschend mögen auch viele Frauen O’Donnell. Wir legen außerdem sehr viel Wert auf Design, das spricht viele zusätzlich an. Deshalb gibt es zum Beispiel auch Shirts mit unseren schönen Gläsern drauf.“
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Moonshine International: Duty Free und Dänemark
Das Ganze hat auch ziemlich gut funktioniert: Mehrere Berliner Spirituosen- und Feinkostgeschäfte vertreiben den O’Donnell Moonshine. Andere deutsche Städte kamen dazu. O’Donnell ist sogar in den Heinemann Duty Free-Shops in allen größeren deutschen Flughäfen zu bekommen.
Wie finden sich die Vertriebspartner für ein junges Unternehmen? „Die meisten Kontakte haben wir über Messen und Conventions bekommen. Hier vor Ort in Berlin kann man aber auch einfach mal persönlich bei einem Geschäft vorbeigehen und das Produkt vorstellen. Die Duty Free-Geschichte hat sich durch Zufall ergeben, einer der Einkäufer wurde auf uns aufmerksam und fand das Produkt spannend. So sind wir letztendlich dort im Verkauf gelandet. Das ist natürlich eine tolle Gelegenheit.”
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Für Österreich und Dänemark gibt es ebenfalls bereits Importeure – „Dänemark ist ein gutes Pflaster für Alkohol“, grinst Philip. Auf der Agenda stehen außerdem noch die Niederlande. Grade bei Alkohol ist wegen der speziellen Besteuerung internationaler Verkauf aber nicht einfach so möglich, es muss erst ein Importeur gefunden werden.
Die Homebase: der eigene Laden
„Wir verkaufen 60 Prozent B2B an andere Läden, etwa zehn Prozent über unseren Onlineshop, und darüber hinaus sind wir viel auf Märkten und Messen, dort sind es dann die restlichen 30 Prozent.“

Direkt im eigenene Laden in Berlin-Wedding, den es seit September 2015 gibt, geht bislang noch nicht viel über den Tresen. „Die Räume dienen uns momentan aber auch als Lager und Büro“. Den Versand für den Onlineshop wird O’Donnell aber bald auslagern – mittlerweile zuviele Pakete um sie alle selbst zu packen. „Weihnachten war ganz schön hart“, lacht Philip.
Zukunfts-Moonshine
Und wie gehts sonst weiter mit O’Donnell? „Eventuell wollen wir noch ein neues Produkt in unser Sortiment aufnehmen, das ist aber noch geheim. Wird aber auf jeden Fall hochprozentig gut. Außerdem wollen wir neben Märkten und Messen noch zusätzlich auf Festivals und weiteren großen Events mitwirken.“, erklärt Philipp.
Noch mehr Moonshine also in Zukunft – muss ja nicht zwingend um zehn Uhr morgens sein.
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