Small is beautiful – Kleinstunternehmer erobern Deutschland

Rund 90% der Selbstständigen in Deutschland zählen zu den Kleinstunternehmern: Fotografen, Designer, Coaches. Eine aktuelle Studie zeigt, wie sie den Markt erobern.


Samstag Abend, 20:15 Uhr: Eine neue Folge von „Das Ding des Jahres“. Verfolgt man die Show könnte man meinen, der typische Unternehmer wäre ein schräger Erfinder mit Nerd-Brille auf der Nase, angetreten, die Welt zu revolutionieren.

Aber ist das die Realität? Nein. Denn die meisten Unternehmer tüfteln nicht am „Next Big Thing“. Willkommen in der Welt der Solopreneure und Kleinstunternehmer!

Unternehmenslandschaft Deutschland: 90% sind Kleinstunternehmen

99,6% aller Unternehmen zählen in Deutschland zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Sie werden nach Mitarbeiterzahl und nach Umsatzgröße unterteilt[1]:

  • Kleinstunternehmen: Bis 2. Mio. Euro Umsatz und max. 9 Beschäftigte
  • Kleinunternehmen: Bis 10 Mio. Euro Umsatz und max. 49 Beschäftigte
  • Mittlere Unternehmen: Bis 50 Mio. Euro Umsatz und max. 249 Beschäftigte

Die Kleinstunternehmen – z.B. selbstständige Fotografen, IT-Freelancer, Friseure, Coaches, Handwerker u.v.m. – bilden dabei die größte Gruppe der Unternehmen in Deutschland:

Die „typischen“ Kleinstunternehmer: Fotografen, IT-Freelancer, Coaches & Co.

Rund 90% der 3,48 Mio. Selbstständigen in Deutschland im Jahr 2016 zählten zu den Kleinstunternehmen (3,1 Mio.).[2] Sie verzeichnen nur einen geringen Umsatz (max. 2 Mio.€/Jahr) und beschäftigen keine oder nur wenige Mitarbeiter (max. 9 Beschäftigte).[3]

Statistik Kleinstunternehmen in Deutschland

Zahlen für 2016 ergaben: Kleinstunternehmen erwirtschaften ca. 18% des Gesamtumsatzes aller Unternehmen in Deutschland. [4] Obwohl ihre Wirtschaftsleistung also gering ist, machen Kleinstunternehmer mit ihrem Anteil von 90% die große Masse der deutschen Unternehmen aus.

60% der Kleinstunternehmer sind Solopreneure

Dabei hatten von den 3,1 Mio. Kleinstunternehmen im Jahr 2016 1,8 Mio. gar keine Mitarbeiter angestellt.[5] Das bedeutet: Fast 60% der Kleinstunternehmer sind Solopreneure – sie müssen angefangen von der Kundenakquise bis zur Buchhaltung alles alleine schaffen. Und sie zeichnen sich durch folgende Besonderheiten aus:

Höherer Frauenanteil bei Solopreneuren

Eine Studie des BMAS ergab, dass unter den Solopreneuren ein höherer Frauenanteil herrscht als im unternehmerischen Durchschnitt. Die Frauenrate liegt bei Solopreneuren bei fast 40% – ist also doppelt so hoch wie im Durchschnitt.[6] Woran das liegen könnte? Möglicherweise sehen sich Frauen nicht so sehr in einer Leader-, und Führungsrolle, sondern mehr als eigenständige Entrepreneurin.[7]

Solopreneure setzen auf bewährte Geschäftskonzepte

Charakteristisch für Gründer und Solopreneure ist auch der Fokus auf bewährte, traditionelle Geschäftskonzepte. Sie machen sich als Fotografen, Designer, Coaches oder Handwerker selbstständig. Von der tech-lastigen, innovativen und lauten Startup-Mentalität sind sie weit entfernt.[8]

Solopreneure haben häufig ein geringeres Einkommen

Wie sieht es mit dem Einkommen von Solopreneuren aus? Der Studie zufolge haben Solopreneure im Durchschnitt ein geringeres Einkommen als andere Selbstständige. Ihr Nettoeinkommen liegt bei ca. 1.646€/Monat und beträgt daher nur halb so viel wie das von Selbstständigen mit Angestellten, die im Schnitt 3.129€/Monat verdienen.[9]

Viele Solopreneure sind nebenberuflich selbstständig

Und noch einen vierten Faktor beleuchtete die Studie: Viele Solopreneure sind nur nebenberuflich selbstständig: Circa ein Drittel von ihnen übt neben der Selbstständigkeit noch eine Angestelltentätigkeit aus – möglicherweise gerade aufgrund des zuvor angesprochenen niedrigen Verdienstes als Solopreneur. Im Vergleich dazu sind es bei den übrigen Selbstständigen nur 6,5%.[10]

Kleinstunternehmer finden medial kaum Beachtung

Kleinstunternehmer machen mit ihrem Anteil von 90% die Masse der deutschen UnternehmerInnen aus. Viele von ihnen – 60%  –  sind Solopreneure. Ihr Einkommen ist gering, sie sind daher nebenbei oft noch in einem Angestelltenverhältnis tätig. Und sie müssen alles alleine schaffen: Kundenakquise, Buchhaltung, Marketing etc.

Trotz dieser Leistungen finden Kleinstunternehmer medial kaum Beachtung. Das liegt möglicherweise an ihren bewährten, traditionellen Geschäftskonzepten: Der Geschäftsalltag eines Fliesenlegers ist eben nicht so publicity-tauglich wie der des Geschäftsführers eines innovativen Tech-Startups.

Dennoch: Auch Solopreneure und kleine Unternehmen haben spannende Geschichten zu erzählen. Das beweisen Plattformen wie unternehmerhelden.com und der Unternehmerhelden Award – der 2017 zum ersten Mal speziell kleine Unternehmen für ihre Leistungen auszeichnete.



[1] KMU-Definition der Europäischen Kommission: https://www.ifm-bonn.org/definitionen/kmu-definition-der-eu-kommission/
[2] Unternehmensregister des Statistischen Bundesamtes: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/UnternehmenHandwerk/Unternehmensregister/Unternehmensregister.html
[3] S. Anm. 1
[4] S. Grafik Anm. 2
[5] Studie der Universität Duisburg-Essen, nach einer Quelle des Statistischen Bundesamts: http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Arbeitsmarkt/Datensammlung/PDF-Dateien/abbIV69.pdf
[6] Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.), Forschungsbericht 465. Solo-Selbstständige in Deutschland – Strukturen und Arbeitsverläufe (2016) 21.
[7] Interview mit Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg zum Thema „Fempreneur: Sind Frauen die besseren Startup-Gründerinnen?“: http://gruendermetropole-berlin.de/fempreneur-sind-frauen-die-besseren-startup-gruenderinnen
[8] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Hrsg.), Unternehmensgründungen und Gründergeist in Deutschland (2016) 22.
[9] S. Anm. 6, 39.
[10] S. Anm. 6, 31f.

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