Interview mit Jurymitglied Dennis Meier von ostmost

Hallo Dennis, bitte stelle Dich und Dein Unternehmen kurz vor.

Mein Name ist Dennis Meier, ich bin 46 Jahre alt, habe vier Kinder und bin Geschäftsführer und Gründer der Streuobstwiesen Manufaktur GmbH. Ziel des Unternehmens ist die Rettung der Streuobstwiese. Diese gehören zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas und  sind in Deutschland stark gefährdet. Seit den 50er Jahren wurden bis heute mehr als 70% der Bestände zerstört.

Aus diesem Grund haben wir OSTMOST gegründet. OSTMOST produziert Schorlen und Cider ausschließlich aus öko zertifiziertem Streuobst. Wir sind damit deutlich teurer als vergleichbare Mitbewerber. Damit hilft uns der Verbraucher durch seine Bereitschaft mehr für OSTMOST zu zahlen, auch den Landwirten und Obstbauern wieder einen angemessenen Preis für ihr Streuobst zahlen zu können. Dadurch werden sie ermächtigt, die Streuobstwiesen auch wieder nachhaltig zu bewirtschaften. Die Marke OSTMOST ist Ausgangspunkt eines vielfältigen Maßnahmenkataloges, den wir inzwischen entwickelt haben, um die wirtschaftliche Ertragsfähigkeit der Streuobstwiese wieder herzustellen und damit die Streuobstwiesen mit ihrer Sorten- und Artenvielfalt für künftige Generationen zu erhalten. 

Warum hast Du Dich dazu entschieden, Dich selbstständig zu machen?

Schon während meiner Schulzeit habe ich zahlreiche kleinere Parties mit 100 -300 Gästen organisiert. Der Höhepunkt war dann eine große Veranstaltung nach dem Abi mit 2.500 Gästen.  Zu Beginn meines Studiums in Hannover habe ich dann jemanden kennengelernt und wir haben uns entschieden, eine Promotion- und Eventagentur zu gründen. Zu der Zeit hatte ich mir mein Studium durch Promotion mitfinanziert und wir hatten Kontakte in die Industrie und wussten, dass da etwas gebraucht wird, was wir konnten, also haben wir uns ins kalte Wasser geschmissen. Seitdem war ich dann “offiziell” selbstständig. Und das hat sich bis heute nicht geändert. 

Für mich war die Selbstständigkeit schon immer schon ein natürlicher Zustand, mich hat es stets in diese Richtung getrieben. Mein sozial- und wirtschaftswissenschaftliches Studium alleine war mir schon damals viel zu theoretisch und ich war getrieben davon, gestalten zu wollen.

Kannst Du uns Deinen Weg in die Selbstständigkeit schildern?

Diese Agentur habe ich acht Jahre lang geleitet. Dann hat sich in mir ein radikaler Wertewandel vollzogen, initiiert durch ein Persönlichkeitstraining und spirituelle Erfahrungen. Daraufhin habe ich zwei Jahre lang bei einem gemeinnützigen Verein für kooperative und komplementäre Heilweisen in der Erwachsenenbildung gearbeitet, wo ich auch das erste und einzige Mal in meinem Leben für zwei Jahre angestellt war. 

Anschließend wollte es das Leben so, dass ich meinen damals 2,5 Jahre alten Sohn als alleinerziehender Vater zu mir geholt habe. Da ich mich in dieser Situation beruflich auch neu aufstellen musste, habe ich mich entschieden, einer neuen Leidenschaft nachzugehen und habe mich als selbstständiger Medien- und Grafikdesigner selbstständig gemacht. Das wurde mir dann aber nach ein paar Jahren zu eintönig und der Wunsch kam auf, wieder mehr mit Menschen zu arbeiten. Damals gab es dann ein von der KFW aufgesetztes Programm, das das Kleinunternehmertum fördern sollte. Da ich bis hierher wahnsinnig viel Erfahrung gesammelt habe, war das für mich die perfekte Chance, dieses Wissen weiterzugeben und ich habe dann für ein paar Jahre als Startup Coach Menschen in ihre Selbstständigkeit begleitet. Das war eine wunderschöne Arbeit. 

Vor ungefähr sechs Jahren dann kam ein Freund mit der Idee von OSTMOST um die Ecke und wollte mich unbedingt für dieses Projekt gewinnen. Ich habe in dieser Idee auf vielen Ebenen eine große Chance gesehen und habe dann Ja dazu gesagt. Das war der Beginn einer wundersamen Reise. 

Ostmost ist inzwischen eine bekannte Marke und erfolgreich. Gab es für Dich auch schwierige Momente und Herausforderungen bei der Gründung?

Es gab mehr als einen schwierigen Moment 🙂 Es gab jedes Jahr eine schwere Krise, die wir zu meistern hatten. Hätte ich vorher gewusst wie steinig der Weg werden wird, weiß ich nicht, ob ich mich dafür entschieden hätte. Ich glaube es braucht auch diese anfängliche Naivität bei solchen Gründungen. Auf der anderen Seite ist das Meistern all dieser Herausforderungen eine Quelle des persönlichen Wachstums geworden, die ich jetzt niemals missen wollen würde. 

Ein Unternehmen zu gründen erfordert ein außergewöhnlich hohes Maß an Engagement, Selbstdisziplin und Geduld mit anderen und mit den Prozessen selbst. Als Unternehmer muss man über so viele verschiedene Bereiche Wissen aneignen, denn letzten Endes kommt es nur auf dich, also den Gründer an. Vieles hängt von dir ab und liegt in deiner Hand. Täglich sind unzählige große und kleine Entscheidungen zu treffen, das braucht eine Menge Weitsicht, Klarheit und Empathie.

Warum hast Du Dich dazu entschieden, mit einem Geschäftspartner zusammenarbeiten?

Die Entscheidung kam aus der Situation heraus. Mein Geschäftspartner ist stark in der Visionsentwicklung, er ist ein Erfinder. Und meine Stärke ist die operative Umsetzung. Sozusagen die tausend kleinen Schritte, die es braucht das gemalte Bild dann in der Wirklichkeit zu manifestieren. Wir haben uns in diesem Moment optimal ergänzt, um etwas Großes zu erschaffen.

Als Unternehmer braucht man viele Qualitäten, vor allem am Anfang musst Du so vieles aus unterschiedlichen Bereichen selbst machen. Mein Ziel war es aber immer ein Team von Menschen mit unterschiedlichen Qualitäten zu bauen, in dem jeder seine Stärken und Qualitäten vollends ausleben kann. 

Gibt es Tipps, die Du Neugründern mit auf den Weg geben möchtest?

Es gibt unzählige Tipps, aber einer der Core Points, der eine wichtige Voraussetzung für Erfolg ist, ist glaube ich, die Fähigkeit zu kultivieren, niemals aufzugeben. In der modernen Psychologie nennt man das Resilienz. Die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.

Misserfolge und Tiefschläge gehören mit dazu. Dabei den Willen und den Glauben an sich und seine Idee nicht zu verlieren sind der Schlüssel zum Erfolg. Jede Krise und jedes Scheitern ist eine Chance etwas zu lernen, zu reflektieren und zu optimieren.

Eine zweiter für mich persönlich sehr wichtiger, fast schon existentieller Aspekt, ist die Sinnhaftigkeit. Ich habe bewusst nach dem Wendepunkt in meinem Leben nach Aufgaben gesucht, die für mich sinnvoll erschienen. Und zwar nicht nur sinnvoll für mich selber, sondern auch und vor allem einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.

Mit dem System OSTMOST wollen wir einen Systemwechsel in der Streuobst Wirtschaft zu initiieren, der am Ende zum Wohle aller an diesem Kreislauf beteiligten Akteure handelt – einschließlich der Flora und Fauna. Den Blick darauf zu legen und eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, im Sinne der Gemeinwohlökonomie ist für mich der Treibstoff meines täglichen Handelns.  

Wie wichtig ist Dir Nachhaltigkeit in Deinem Unternehmen?

Unser Unternehmen hat Nachhaltigkeit schon in seiner DNA. Unser Ansatz ist es, statt wie üblich, die Preise für Lieferanten möglichst drücken zu wollen, den Landwirten signifikant mehr für ihren Rohstoff bezahlen zu können, als sie aktuell bekommen. Denn wir wissen, dass dieser Preis nicht ausreicht, um die Streuobstwiesen nachhaltig zu pflegen.

Diese Abwärtsspirale wollen wir unterbrechen und ihnen viermal so viel zahlen wie marktüblich. Das ist radikal, aber unserer Meinung, der einzige Weg, um Streuobstwiesen auf lange Sicht zu erhalten und für Landwirte wirtschaftlich wieder attraktiv zu machen. 

Streuobstwiesen sind ein lebendiges Biotop für Nachhaltigkeit, sie sind sozusagen die kleinen Regenwälder Deutschland. Sie brauchen aufgrund der natürlichen Resilienz der alten Apfelsorten keine Pestizide und Fungizide, in ihnen tobt das Leben, sie sind die artenreichsten Biotope Mitteleuropas.

Da der Mensch aber oftmals nur das schützt, was ihm auch nutzt, war es unsere Herausforderung, ein Wirtschaftskreislauf zu entwickeln, welcher den Schutz im Nutzen bereits verankert hat.

OSTMOST ist ein Beispiel für ökologisch und sozial verträgliche Wirtschaft ohne mit dem erhobenen Zeigefinger darauf zu zeigen. Durch jede Flasche OSTMOST, die Du genießt, trägst Du gleichzeitig zum Erhalt dieser Biotope bei. Und wenn Du mehr machen willst, kannst Du Baumpatenschaften zum Beispiel zur Geburt Deines Enkels verschenken oder selber übernehmen oder mit uns auf die Wiesen zum Ernten und Pflegen fahren.  

Was ist für Dich das Beste am Gründer Dasein?

Was mich immer wieder antreibt, ist die Möglichkeit zu gestalten. Meine Arbeit bietet mir jeden Tag auf’s Neue Gestaltungsräume und Möglichkeiten. Das lebenslange Lernen, die tägliche Neugier und der Antrieb, immer weiter zu wollen, gehören für mich zur Selbstständigkeit dazu und sind für mich die besonderen Vorzüge des Unternehmers Daseins, die ich sehr genieße.

Du bist dieses Jahr Teil der Jury des Unternehmerhelden Awards. Wie kann Dich ein Bewerber davon überzeugen, ihm Deine Stimme zu geben?

Dafür gibt es kein Patentrezept, am Ende entscheidet das gewisse Etwas. Zu nennen sind aber bestimmt Idee, Überzeugungskraft und Authentizität des Gründers. 

Wir haben neulich Vertriebsmitarbeiter für unser Unternehmen gesucht und sind in Bewerbungen versunken. Um unsere Entscheidung zu treffen, haben wir diejenigen, die in der näheren Auswahl waren, gebeten, uns ein Video zu schicken. Einige Videos waren dann so grandios und überzeugend, dass die Entscheidung leicht wurde. Das ist dann fernab von traditionellen Lebensläufen, da geht es um Persönlichkeit die matchen muss.

Am Ende kommt es auf das Zusammenspiel von Geschäftsidee und Persönlichkeit an, die mich wahrscheinlich überzeugen kann.

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