Interview mit Daniel Zottl| Farbraum Wien

Fotografen, die auch noch alle Dienstleistungen rund um das Foto übernehmen und damit fast einer Full Service Werbeagentur gleichkommen? Die gibt es! Daniel hat sich mit seinem Unternehmen Farbraum Wien für den Unternehmerhelden Award 2019 beworben und ab 01. Oktober, kannst Du ihn zum Gewinner machen!

Bitte stelle Dich und Dein Unternehmen kurz vor.

Farbraum Wien wurde von meiner damaligen Berufsschulkollegin Flora und mir 2014 als Fotostudio und Fotolabor gegründet. Unsere Idee war anderen Fotografen die Möglichkeit zu bieten hochwertige Portfolios für sich und ihre Kunden aus einer Hand zu bekommen und für eine adäquate Ausarbeitung nicht mehrere Firmen beauftragen zu müssen. In den letzten Jahren hat sich unser Business sehr stark entwickelt, wir bieten heute erstklassige Werbe- und Portraitfotos an, haben eine Abteilung für Inkjet-Grossformat Print, ein Online Foto Labor, eine Buchbinderei, eine Stickerei, eine Digitaldruckabteilung und seit kurzem ein eigenes Ausbildungsinstitut. Wir sind heute eines der führenden Fotolabors in Wien wenn es um Portfolios geht. Unsere individuellen Strukturen und unsere kreative Arbeitsweise haben uns zum zuverlässigen Partner für einige große Klienten gemacht.

Die Selbständigkeit in unseren Branchen verlangt sehr oft dass wir schnell unsere Grenzen ausweiten oder verkleinern, deshalb haben wir bei all unseren Technologien auf flexible Lösungen gesetzt, das erlaubt uns jeden Auftrag gleichermaßen hochwertig und wirtschaftlich zu erledigen. Ein großer Punkt in unserem Print-Sektor ist außerdem der Schutz des Planeten und der Umwelt. Als erstes Labor in Österreich drucken wir Fotos ohne Chemie. Dadurch fällt die Entsorgung von silberhaltigem Wasser weg. Außerdem haben wir im vergangenen Geschäftsjahr etwa 15.000.000 Watt Strom gegenüber einem klassischen Nasslabor eingespart. Wir haben auch ein Programm ins Leben gerufen, GreenUp. Hier bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit alte Roll-Up´s bei uns abzugeben, um die Belastung durch die Herstellung von Aluminium einzuschränken. Dieser Mehrwert wird ihnen anschließend bei der Bestellung eines neuen gutgeschrieben.

Erst einige Jahre nach unserer Gründung haben wir begonnen unseren Multichannel aufzubauen. Wir haben einen der modernsten Uploader für das Bestellen von Fotoprints und anderen Druckprodukten. Ausserdem haben wir einen online Designer für Fotobücher, Visitenkarten, Textildruck und Stickereien. Der gesamte Online-Shop wird von uns selbst programmiert und gewartet.

Viele unserer Lieferanten und Produzenten sind selbst junge Unternehmer, was die Gestaltung von Projekten stark erleichtert und unsere Abläufe sehr flexibel und individuell gestaltet.

Was schätzen Deine Kunden am meisten an Dir?

Dass wir teilweise das Unmögliche, möglich machen. Sei es in Form von rasanten Lieferzeiten oder Produkten die jeder andere Betrieb erst gar nicht anfertigt, weil die Strukturen zu groß und zu fest sind. Wir haben über die Jahre für unsere Kunden ein großes Portfolio an Unikaten angefertigt. Was unsere Kunden aber sehr schätzen ist, dass sie bei uns immer eine persönliche und herzliche Betreuung erwartet, wir sind eher casual und das gibt unseren Klienten mehr ein Wohlfühlerlebnis als ein Verkaufsgespräch. Wir hören auch sehr oft: diese Anfrage ist so außergewöhnlich wir dachten gleich an euch. Wir sind also sehr oft Problemlöser und das ist es, was unsere Arbeit sehr spannend macht. Was auch nicht oft vor kommt, dass Unternehmer in unserem Alter bereits ein so großes Erfahrungsspektrum mitbringen. Das gefällt unseren Kunden. Wir versuchen auch immer unseren Kunden Neues zu bieten. So haben wir im Bereich DSGVO mehrere Kurse absolviert und hunderte Stunden Zeit investiert um hier eine Vorreiterrolle einzunehmen und unsere Dienstleistungen darum zu erweitern unseren Kunden alles bezüglich Datenschutz abzunehmen was möglich ist. Dieser Service ist speziell bei unseren Fotoreportage Kunden und Berufsfotografen extrem beliebt da sie sich über nichts mehr Gedanken zu machen brauchen.

Warum hast Du Dich entschieden, Dich selbstständig zu machen? 

Weil ich in sehr vielen Unternehmen tätig war und vielerorts Verbesserungspotential gesehen habe, jahrelang habe ich versucht Änderungen und Verbesserungen umzusetzen was nicht in jedem Unternehmen gut angekommen ist, weil man selbst immer glaubt am besten zu wissen wie etwas zu laufen hat. Als Unternehmer versuche ich allerdings das anders zu machen so sind selbst unsere Praktikanten vollwertige Mitglieder der Belegschaft zum Zeitpunkt ihres Praktikums und haben, wenn sie sich einbringen möchten, dieselbe Stimme wie jedes andere Teammitglied. Manchmal ist es nämlich der Blick von jemand Außenstehendem der dann die Idee entscheidend voranbringt. Ich verbringe auch einige Wochen des Jahres damit bei Kollegen zu arbeiten, um wieder einen anderen Blick auf Dinge und Abläufe zu gewinnen. Flora und ich wollten mit unserer Selbstständigkeit etwas schaffen, dass es noch nicht gegeben hat. Nachdem der Altersdurchschnitt in unserer Branche bis vor ein paar Jahren bei weit über 45 Jahren gelegen hat, dachten wir uns das es frischen jugendlichen Wind braucht. Wir lieben es einfach jeden Tag unserer Leidenschaft nachgehen zu dürfen und damit unseren Lebensunterhalt zu verdienen, Selbstständigkeit ist manchmal sehr mühsam aber auch ein riesiges Geschenk, das man jeden Tag schätzen muss.

Was ist für Dich die größte Herausforderung im unternehmerischen Alltag

Teilweise ist es sehr fordernd, wir kommen jetzt auch beide an einen Punkt im Leben wo die vieldiskutierte Work-Life Balance zum Thema wird. Man will den unternehmerischen Erfolg maximieren und auch noch ausbauen, aber seine Lieben am Abend nicht allzu lange warten lassen. Ein weiterer Punkt sind in Österreich sehr politische Themen wie Wirtschaftskammer und Sozialversicherung. Speziell die Wirtschaftskammer kann einen, wenn man ein Mensch mit Idealen ist, der etwas für künftige Generationen verbessern möchte, wirklich auffressen da alles recht stark in patriarchalischen Mustern gefangen ist. Die hohen Sozialversicherungsbeiträge sind dann sobald man z.b. chronisch erkrankt ein weiterer Punkt, der einen manchmal etwas unruhig schlafen lässt. Bei all der Leidenschaft und Liebe zum Beruf darf man nicht alles daran romantisieren. Ein Unternehmer, der sagt, dass er noch nie daran gedacht hat, in ein Angestelltenverhältnis zurückzukehren, lügt meiner Ansicht nach. Selbst wenn es immer sehr gut läuft hat man dann manchmal das Bedürfnis um 17 Uhr zu gehen. Aber im Großen und Ganzen machen es diese Herausforderungen auch erst spannend, Unternehmertum kommt von etwas unternehmen, das heißt es ist einfach nichts für Menschen die immer den Weg des geringsten Widerstands suchen. Diese Herausforderungen sind es an denen man wächst und die einen wenn man sie übersteht umso stärker und überzeugter weitermachen lassen.

Wo siehst Du Dich und Dein Unternehmen in fünf Jahren?

Im Idealfall sind wir dann noch dort wo wir jetzt sind mit etwas mehr Mitarbeitern und dadurch etwas mehr Zeit für alles insgesamt. Ich glaube was wir in den ersten 5 Jahren geschaffen haben ist ganz beachtlich. Wir sehen es als Erfolg an in unserem Alter zu bestehen und es mit Unternehmen aufzunehmen die es seit teilweise mehr als 60 Jahren gibt. Wenn alles gut läuft, wird es mehr junge Fotografen geben, die es uns gleichtun. Das würde nämlich bedeuten dass unsere Branche bestand hat und nicht völlig von der Digitalisierung überrollt wurde. Natürlich hat man Fantasien und Träume, dass man irgendwann Marktführer und alleiniger Anbieter für seine Produkte wird. Wir haben aber im letzten Jahr feststellen müssen das eines der ältesten Unternehmen im Fine-Art Print in Wien seine Pforten geschlossen hat. Das lässt einen etwas bescheidener werden. Wir versuchen daher immer eine gesunde und respektvolle Mischung aus Weltherrschaft und „zufriedenseinmitdemwasmanhat“. Unsere Firma wird sich mit Sicherheit in den nächsten 5 Jahren verändert haben, weil der Wandel in unserer Branche, die steigende Bereitschaft des Kunden zum „selbermachen“ und günstigere Preise bei Einstiegsgeräten und auch beim Online-Mitbewerb für eine Abwanderung der Kunden sorgt. Darauf zu reagieren wird eine große Herausforderung der wir uns stellen müssen. Mich selbst sehe ich in 5 Jahren genau da wo ich jetzt bin, als Geschäftsführer unserer tollen Firma mit der besten Geschäftspartnerin, die man sich vorstellen kann und meinem Freund, mit dem man abends gemütlich ein schönes Glas Wein trinkt. Wenn das in 5 Jahren immer noch so aussieht haben wir alles richtig gemacht.

Gib uns drei Tipps für andere, die sich selbstständig machen möchten!

  1. auf die Ratschläge von anderen hören. 90% davon weglassen. und auf die eigene Intuition verlassen
  2. sich so viel Wissen wie möglich aneignen und immer mehr wissen als andere, das nimmt einem niemals jemand weg
  3. der Geschichte mit genügend Respekt begegnen aber keine Angst haben, Angst im Nacken zerstört alles

Warum möchtest Du den Unternehmerhelden Award 2019 unbedingt gewinnen? 

Weil ich glaube, dass Farbraum Wien ein tolles Beispiel für andere junge Unternehmer sein kann, dass man für ein erfolgreiches Unternehmen nicht immer das Rad neu erfinden muss. Es sind einfache Firmen wie unsere, die Althergebrachtes für sich neu interpretieren und damit etwas Neues schaffen. Natürlich ist ein gewisser Eigennutz dabei, weil es eine tolle neue Plattform bieten würde unsere Bekanntheit weiter zu steigern.

Wir haben sehr klein angefangen mit einem Gründungsbudget von nicht ganz €3.500, und haben innerhalb von 5 Jahren ein wettbewerbsfähiges, europäisches Unternehmen aufgebaut. Diese Auszeichnung wäre daher der Schulterklopfer, dass man bis hierher mal alles richtig gemacht hat, den wir uns sehr wünschen würden. Wir hätten uns vor fünf Jahren nicht erträumen lassen, dass wir es bis hier her schaffen und in dieser Zeit so viele einzigartige Projekte betreuen und mit solch großartigen Kunden arbeiten dürfen.

Werde auch Du Unternehmerheld und bewirb Dich!

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