Interview mit Brigitte Conta Gromberg | Smart Business Concepts

Brigitte Conta Gromberg zeigt mit ihrem Programm Smart Business Concepts Selbstständigen, wie sie ihr Geschäft erfolgreich und prozessorientiert aufstellen. Als Jury-Mitglied im Rahmen des Unternehmerhelden Award kürt sie im Oktober den Unternehmerhelden 2018.

Im Interview verrät sie, wie man als Gründer Fehler vermeidet und wie Du als Bewerber bei ihr punktest!

 

Hallo Frau Conta Gromberg, bitte stellen Sie sich und “Smart Business Concepts” kurz vor.

Als mein Mann und ich uns 1999 kopfüber in die Hamburger Start-up Szene stürzten, hatten wir die Bilder von großen Start-ups vor Augen. Wir dachten, man braucht ein Team, ein großes Büro, viel Kapital. Niemand sagte uns, dass es auch anders gehen kann. Es kam wie es kommen musste: In der Dotcom-Krise blieb die zweite Finanzierungsrunde aus, und unser Start-up fuhr nach allen Regeln der Kunst vor die Wand.

Von diesem Augenblick war uns klar: Es kommt nicht alleine auf die Idee an, sondern auf ein Zusammenspiel von der eigenen Person, der Größe des Konzepts und der Tragfähigkeit des Geschäftmodells. Dazu muss man viel smarter denken. Das wird uns i.d.R. aber nicht beigebracht …

Wir haben in den letzten 25 Jahren 4 GmbHs aus dem Home Office gegründet und vor einigen Jahren das Programm Smart Business Concepts ins Leben gerufen, um anderen zu zeigen, dass man auch anders starten kann: Ohne Fremdkapital, ohne Angestellte, ohne großes Risiko und doch mit einem unternehmerischen Geist.

Inzwischen haben wir an die 300 Solopreneure begleitet. Uns ist dabei wichtig, dass das Geschäftskonzept zur Person und zu der biographischen Kurve passt, an der derjenige gerade steht. Unter anderem haben wir die 5 Solopreneur-Typen entwickelt, hinter denen unterschiedliche Geschäftskonzepte stehen, die sich für smarte Starts besonders eignen.

 

Welche Fehler kann man als Gründer machen und wie kann man sie vermeiden?

Meine Empfehlung an Gründer, wenn man erfolgreich UND glücklich mit seinem Business werden möchte:

  • Finde zuerst Dein Thema, mit dem Du Dich die nächsten Jahre Deines Lebens (beruflich) beschäftigen möchtest. Suche nicht nur einfach eine “Opportunity” im Markt.
  • Werde Dir darüber klar, welche Enterpreneur-Rolle Du einnehmen möchtest. (Wir unterscheiden in unserem Programm die 5 Solopreneur-Typen: Maker, Trader, Experts, Services und Kreative. Je nach Typ gibt es andere Konzepte.)
  • Dann erst entwickle die grundlegende Idee.
  • Danach arbeite gründlich am Geschäftskonzept –  und das ist mehr als nur ein rein zahlenorientierter Business Plan.

Diese Fehler solltest Du vermeiden:

  • Mache Deine Idee nicht zu komplex. Halte sie einfach. Nur was Du auch selbst überblicken kannst, kannst Du auch steuern.
  • Nimm nicht sofort andere Geschäftspartner an Bord. Du bist selbst stark genug.
  • In Deutschland herrscht oft eine falsche Team-Romantik. Viele Gründungen scheitern später am Streit unter Gesellschaftern.
  • Starte, wenn irgend möglich, ohne Fremdkapital – Fremdkapital oder Kredite machen Dich abhängig. Versuche stattdessen Deine Geschäftsidee über Bootstrapping aufzubauen.
  • Vermeide Angebote oder Leistungen, bei denen Du nur Stunde gegen Geld tauschst.
  • Versuche in skalierbaren Produkten und Angeboten zu denken, die unabhängig von Deinem unmittelbaren Stundeneinsatz funktionieren (alles andere führt irgendwann ins Hamsterrad). Das verstehen wir unter Solopreneurship.
  • Versuche Dein Business in Prozessen aufzubauen. Vermeide einen hohen Individualsierungsgrad bei Deinen Angeboten. Das erhöht die Komplexität.
  • Nutze möglichst (externe) Software-Komponenten. Vermeide Eigenprogrammierung (= hoher Finanzbedarf + Komplexität), wenn Du nicht selbst Developer bist und das Dein Lebensinhalt ist.

 

Welche Kenntnisse und Eigenschaften muss ein Gründer aus Ihrer Sicht mitbringen, um sich dauerhaft erfolgreich behaupten zu können?

Oft wird in der Presse der Eindruck vermittelt, dass Entrepreneure extrovertiert sein müssen, Abenteurer wie Richard Branson. Das sehen wir anders. In unseren Intensivgruppen arbeiten wir viel mit ruhigeren, oft auch introvertierten Menschen zusammen. Extrovertiert ist nicht verboten, aber absolut kein Muss für ein smartes Geschäftskonzept.

Ein Gründer und Entrepreneur benötigt dagegen Ausdauer und Flexibilität, um auch bei Rückschlägen dranzubleiben und gegebenenfalls umzudenken. Ein Wille, hartnäckig seinen Weg zu gehen und die Situation optimistisch aktiv zu gestalten.

Und – heute vielleicht ein etwas unbeliebter Begriff – Selbstdisziplin: D.h. sie oder er muss sich alleine den Arbeitsalltag strukturieren und sich selbst immer wieder neu motivieren können. Manche Menschen benötigen andere, die ihnen Aufgaben und Arbeitsschritte vorstrukturieren. Dann ist Enterpreneurship nicht das Richtige. Zur Selbstdisziplin gehört auch die Fähigkeit, Pausen zu machen, um sich nicht auszubrennen und im Burnout zu landen.

Man und frau braucht die Bereitschaft, sich mit neuen (manchmal auch unangenehmen) Dingen auseinanderzusetzen. Besonders Frauen fällt es z.B. immer wieder schwer, sich mit neuer, digitaler Technik auseinanderzusetzen, ohne die heute so gut wie kein erfolgreiches Business läuft.

Und last but not least: Begeisterung für das, was man tut. Wir verbringen eine nicht unerhebliche Zeit des Tages mit unserer beruflichen Arbeit. Das Leben ist zu wertvoll, um es mit Aufgaben zu füllen, die wir nicht erledigen wollen und die uns nicht erfüllen.

 

Der Unternehmerhelden Award wird 2018 nun schon zum zweiten Mal veranstaltet. Was gefällt Ihnen an diesem Konzept?

Gründungen sind in Deutschland rückläufig. Leider ist Deutschland kein Land, in dem einem Mut gemacht wird, etwas unternehmerisch zu wagen. Besonders die Gruppe der “kleinen Selbstständigen” hat keine Lobby und Unterstützung. Im Gegenteil: Besonders kleine Unternehmungen haben es schwer, weil vergleichsweise ein überproportionaler Aufwand an Bürokartie, Steuern und Abgaben anfällt.

Ich bin aber der festen Überzeugung, dass eine gesunde, demokratische Gesellschaft eine starke wirtschaftliche Mitte benötigt, bei der sich das Geld auf viele Schultern verteilt. Außerdem brauchen wir an vielen Stellen ein Umdenken, um die Herausforderungen, die wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich und ökologisch vor uns liegen, zu meistern. Und beides sehe ich nicht alleine bei den großen Konzernen.

Deswegen freue ich mich, wenn der Unternehmerhelden Award Gründer und Gründerinnen unterstützt und ihnen Mut macht.

 

Wie kann Sie ein Bewerber von seinen Siegerqualitäten überzeugen?

Ich denke nicht so sehr in der Kategorie “Sieger”, das hieße die anderen wären Verlierer.

Im Entrepreneurship geht es mir vielmehr darum, dass jemand seinen persönlichen Erfolg erreicht und seinen Weg findet. Und der sieht für jeden Menschen anders aus: Dem einen reicht z.B. ein vergleichsweise kleines Einkommen, wenn er damit ortsunabhängig um die Welt reisen und von jedem Ort seiner Wahl arbeiten kann. Für den anderen ist es die Möglichkeit, sein Business im eigenen Home Office zu führen, um nah bei der Familie zu sein. Der eine möchte selbstbestimmt einfach das tun, was er liebt, der andere etwas Sinnstiftendes für die Gesellschaft und unsere Welt beitragen. Oder oder….

Das A und O dabei ist ein in sich und zur Person stimmiges Geschäftskonzept.

Häufig beobachten wir:

Selbstüberschätzung, alles auf eine Karte setzen. Das nennen wir die Think Big Konzepte – 9 von 10 solcher Gründungen scheitern (nicht selten bei jungen Männern).

Oder auf der anderer Seite die Harmloskonzepte, die oft in der Selbstausbeutung enden (leider sehr oft bei Frauen).

Mich überzeugt ein Konzept mit dem richtigen Augenmaß, das authentisch zur Person passt. Am besten noch mit dem, was wir den WOW!-Faktor nennen. Also einem Merkmal, bei dem ich als Kunde begeistert wäre. Das Business soll schließlich auch fliegen.

 

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